Drei Plätze, eine Mitte – Das Freiraumkonzept für die Innenstadt Verden
Das landschaftsarchitektonische Konzept für die drei zentralen Plätze in der Verdener Innenstadt – Lugensteinplatz, Anita-Augspurg-Platz und Domplatz – entwickelt den historischen Stadtkern zu einem zusammenhängenden, identitätsstarken und klimaangepassten Stadtraum weiter. Dabei verbindet es die jeweils eigene Geschichte und Atmosphäre der Plätze mit einem gemeinsamen gestalterischen Leitmotiv und schafft Aufenthaltsorte, die funktional, ökologisch und kulturell überzeugen. Im Zentrum stehen eine sensible Weiterentwicklung des Bestands, die Stärkung des öffentlichen Raums und ein nachhaltiger Umgang mit Wasser, Klima und Biodiversität.
Name
Umgestaltung Domplatz, Lugenstein und Anita-Augspurg-Platz in Verden
Partner
Kortemeier Brokmann GmbH
Leistung
Freianlagenplanung, Landschaftsgestaltung
Ort
Verden, Deutschland
Ein stadträumliches Gefüge im Wandel
Die drei eng miteinander verflochtenen Plätze bilden ein historisches und gesellschaftliches Zentrum von besonderer Bedeutung. Sie dienen als Ankunftsort, Aufenthaltsraum und Begegnungsfläche, als Ort des Handels wie auch der Erinnerungskultur und Freizeit. Das Konzept verfolgt das Ziel, dieses Ensemble als zusammenhängenden Stadtraum zu gestalten, ohne die charakteristische Eigenart der einzelnen Plätze zu verlieren. Grundlage bildet ein übergeordnetes Gestaltungsprinzip, das räumliche Verbindung, das Motiv des Kreises, klimaangepasste Lösungen und die Förderung der Biodiversität miteinander verknüpft. So entsteht ein robuster, zeitgemäßer Stadtraum, der auf die Herausforderungen des Klimawandels reagiert und zugleich Verdens Geschichte würdigt.
Lugensteinplatz – Eingangstor, Marktplatz und Bindeglied
Als nördlicher Auftakt zur Altstadt vermittelt der Lugensteinplatz zwischen Dom und Fußgängerzone. Sein zentrales Gestaltungselement ist das neu interpretierte Kreismuster im Pflaster, das den Platz ordnet und seine besondere Rolle als Eingangsort hervorhebt.
Ein großformatiger Pflasterkreis markiert den Zugang zum Dom und wird durch eingelassene Inschriften ergänzt, die historische Persönlichkeiten und Ereignisse sichtbar machen. Rasenfugenpflaster ermöglicht Teilentsiegelung, verbesserte Versickerung und reduziertes Hitzeaufkommen, ohne die Nutzbarkeit als Marktplatz einzuschränken.
Der wertvolle Baumbestand bleibt erhalten und wird durch klimaresiliente Arten ergänzt, die mit Verschattung und Verdunstung zur Verbesserung des Mikroklimas beitragen. Neue, grün gefasste Sitzbereiche laden zum Verweilen ein.

Auch das lokale Wahrzeichen „Mückenschiss“ erhält durch seine Positionierung auf einem begrünten Podest eine stärkere Präsenz als Treffpunkt. Wasser spielt eine neue Rolle: multifunktionale Fontänen schaffen Kühlung und laden zur spielerischen Interaktion ein, können aber bei Veranstaltungen abgeschaltet werden.
Der verkehrsberuhigte Charakter wird durch eine einheitliche Pflasterung unterstützt, während Außengastronomie und Fahrradstellplätze weiterhin wichtige Funktionen übernehmen.

Anita-Augspurg-Platz – Raum der Demokratiegeschichte
Der östlich an den Dom angrenzende Anita-Augspurg-Platz verbindet Lugensteinplatz und Domplatz und fungiert als städtebauliches Gelenk. Durch eine Neuordnung des Straßenverlaufs entsteht eine großzügige, barrierefreie Platzfläche, die den inneren fußläufigen Ring zwischen den drei Plätzen stärkt.
Die Materialität des Lugensteinplatzes wird fortgeführt, sodass ein harmonisches Gesamtbild entsteht. Begrünte Stellplätze, Baumreihen und Rasenfugenpflaster verbessern Mikroklima und Versickerungsleistung und schaffen ein angenehm schattiges Umfeld.
Ein neues Reiterdenkmal ehrt Anita Augspurg – Juristin, Frauenrechtlerin und bedeutende Stimme der Demokratiebewegung. Der Zugang wird durch ein strukturiertes „grünes Band“ inszeniert, das kleine Aufenthaltsräume, Sitzgelegenheiten und Fahrradabstellbereiche schafft. Ergänzt wird dies durch Geschichtssteine mit QR-Codes, die historische Inhalte digital vermitteln und den Platz zu einem Ort der Erinnerung und der politischen Bildung machen.

Domplatz – Historische Kulisse und vielfältiger Stadtraum
Südlich des Doms öffnet sich der Domplatz als großzügiger Platzraum von hoher historischer Bedeutung. Die Neugestaltung erfolgt behutsam, um die Authentizität des Ortes zu bewahren. Zugleich schaffen gezielte Ergänzungen neue Aufenthaltsqualitäten und ökologische Mehrwerte. Schotterrasen ersetzt teilweise die wassergebundene Decke und erhöht sowohl Versickerungsleistung als auch Grünanteil. Zwei bestehende Rasenflächen werden zu vielfältigen Blühwiesen umgestaltet, die an historische Klostergärten erinnern und wertvolle Lebensräume für Insekten bieten. Über Rasenwege zugänglich, werden sie zu ruhigen Orten der Erholung.
Der südliche Bereich bleibt als aktiver Rasen für Veranstaltungen bestehen, erhält jedoch leichte topografische Modellierungen, die neue Aufenthaltsorte und Blickbeziehungen zum Dom schaffen. Unter der Andreaskirche sorgen lichte Staudenpflanzungen für mehr Transparenz, Artenvielfalt und jahreszeitliche Struktur. Der Spielplatz im Südwesten wird zu einem generationenübergreifenden Bewegungs- und Begegnungsraum erweitert, der Spielgeräte, Fitnessangebote und barrierefreie Sitzmöglichkeiten im Motiv des Kreises zusammenführt.
Ein zukunftsfähiger Stadtraum – Wasser, Klima und Biodiversität im Fokus
Mit der Neugestaltung entsteht ein zusammenhängender Stadtraum, der historische Bedeutung, gestalterische Qualität und ökologische Zukunftsfähigkeit miteinander verbindet. Das charakteristische Klinkerpflaster bleibt Leitmaterial, wird jedoch je nach Nutzung differenziert. Die Stadt Verden setzt ihre Strategie einer klimaangepassten Stadtentwicklung fort: Entsiegelung, versickerungsfähige Oberflächen und Schotterrasen verbessern das Wassermanagement, reduzieren Hitze und schaffen ein angenehmes Mikroklima. Wasserfontänen bieten Kühlung und Aufenthaltsqualität.
Gleichzeitig stärkt das Konzept die Biodiversität durch klimaresiliente Baumarten, artenreiche Pflanzflächen und ökologische Vernetzung. So entsteht ein identitätsstarkes, generationenübergreifendes und nachhaltiges Stadtgefüge, das den historischen Kern Verdens bewahrt und zugleich auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereitet.
Bildnachweis
Lagepläne: ensphere GmbH
Perspektiven: Anne Hina Malette (blue-print Consulting GmbH

