Lebensader Innenstadt Kleve – Eine klimaresiliente Fußgängerzone für die Zukunft

Die Neugestaltung der Klever Fußgängerzone entwickelt den zentralen Stadtraum zwischen Minoritenstraße, Herzogstraße und Fischmarkt mit Elsa-Brunnen zu einer klimaangepassten, identitätsstiftenden und wirtschaftlich robusten Lebensader der Innenstadt. Das Konzept reagiert auf die städtebaulichen Bedingungen, die Bedeutung der Landesgartenschau 2029 und die komplexe Topografie der leicht geneigten Großen Straße. Es vereint Handel, Geschichte, Alltag und Festkultur, schafft neue grüne Aufenthaltsorte und setzt auf Schwammstadt-Prinzipien, um Wasser und Klima aktiv in die Gestaltung einzubeziehen. So entsteht ein lebendiges, zukunftsfähiges Rückgrat der Innenstadt, das Kleves historische Identität bewahrt und zugleich auf die Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte vorbereitet.

5
6

Name

Neugestaltung der Fußgängerzone in Kleve

Leistung

Freianlagenplanung, Landschaftsgestaltung

Ort

Kleve, Deutschland

Ens Kleve Nord Sud Combined

Grundidee und stadträumliche Leitlinien

Im Zentrum der Planung steht der Gedanke der Fußgängerzone als „Lebensader“, die sich wie ein durchgängiges, adaptives System durch die Innenstadt zieht.

Sie verbindet wirtschaftliche Funktionen mit den kulturellen Wurzeln Kleves und stärkt Bezüge zur Schwanenburg sowie zur barocken Garten- und Sichtachsentradition.

Die Gestaltung greift diese historischen Linien auf und übersetzt sie in eine zeitgenössische Raumstruktur mit klaren Sichtachsen und prägnanten Raumfassungen.

Pflasterung, Möblierung und Beleuchtung entwickeln eine robuste, kontextsensible Identität, während modulare Bauweisen und wirtschaftliche Umsetzungsschritte die Realisierbarkeit sichern und Belastungen für den Handel gering halten.

Klimaresilienz und Schwammstadt-Prinzipien

Ein zentrales Ziel des Konzepts ist die Entwicklung einer klimaresilienten Innenstadt, die Hitze, Starkregen und Trockenphasen gleichermaßen bewältigt. Die Planung setzt konsequent auf Schwammstadt-Logik: Entsiegelte Bereiche aus wassergebundener Decke, Klinker und offenfugigem Naturstein ermöglichen Versickerung und Kühlung.

Dezentrale Regenwasserbewirtschaftung erfolgt über Bioswales, Wasserinseln, Retentionsmodule und lineare Rinnen mit Sedimentfang. Ergänzt wird dies durch eine gezielte Baumpflanzstrategie, die klein- bis mittelgroße Kronen an Engstellen vorsieht und große, weit ausladende Baumarten an Platzaufweitungen etabliert.

Staudenmischungen, Blühwiesenstreifen und Verdunstungselemente schaffen kühle Mikroklimate und fördern gleichzeitig Biodiversität. So wird Wasser lokal gespeichert, gefiltert und sichtbar geführt, wodurch Überschwemmungsrisiken sinken und die ökologische Qualität der Innenstadt steigt.

Kleve Draufsicht Ohne Weissen Rand
Kleve Brunnen Ohne Weissen Rand

Materialität, Gestaltung und Identität
Die Materialwahl verbindet regionale Identität mit hoher Dauerhaftigkeit. Ein feinformatiges Natursteinpflaster in hell- bis warmgrauen Tönen bildet die Basis und wird durch Klinker sowie wassergebundene Flächen ergänzt. Rasenfugenpflaster und Schotterrasen strukturieren Sitz- und Schattenbereiche. Das Möblierungskonzept setzt auf ein durchgängiges System der „Kleve-Bänke“, das das Schwan-Signet als verbindendes Element nutzt. Holz-Sitzkanten auf Steinwangen sowie smarte Sitzmöbel mit Photovoltaik-Ladestationen erweitern das Angebot. Die Beleuchtung sorgt einerseits für funktionale Grundhelligkeit und andererseits für atmosphärische Akzente an Brunnen, Kunstwerken und Baumpflanzungen – ein Zusammenspiel, das Sicherheit und Identität stärkt.

Programmatische Räume entlang der Lebensader

Eingänge der Innenstadt

Die Zugänge zur Fußgängerzone werden durch markante Pflasterungen, klare Beleuchtung, Sitzmöglichkeiten und eine präzise taktile Führung aufgewertet. Sie bilden lesbare Tore zur Innenstadt und verbessern Orientierung und Ankunftserlebnis.

Klosterplatz
Der Klosterplatz wird zu einem grünen, geschützten Stadtzimmer, in dem kleine Bäume, Staudenflächen und Retentionsmulden ein angenehmes Mikroklima schaffen. Historische Elemente wie der „Mönch“ von Johannes Brus werden integriert und geben dem Ort kulturelle Tiefe.

Wbw Fussgangerzone Kleve Detailplan200 2
Ens Perspektive 2 Neu 1920 X 1920 Px 1

Cooling Gardens
Diese kleinen Rückzugsorte bilden klimatische Oasen inmitten der Fußgängerzone. Blühwiesen, artenreiche Pflanzflächen und Nebeldüsen, gespeist aus Brauchwasser, bieten Kühlung an Hitzetagen. Farbige Bodenmotive und linienhafte Muster schaffen spielerische Räume, besonders für Kinder.

Green Spine – Große Straße

Die Große Straße wird zur grünen Hauptachse der Innenstadt. Inseln mit Bäumen, Unterpflanzungen und Sitzkanten gliedern den Raum rhythmisch. Historische Achsen und Sichtbezüge werden im Pflasterbild sichtbar gemacht. Oberflächenwasser wird über Schlitzrinnen geführt und bleibt als gestaltetes Element wahrnehmbar.

Elsa-Brunnen-Platz
Der Elsa-Brunnen erhält eine neue, klar gefasste Platzfigur. Ein Baumhain bildet den Rand, eine kleine Allee schafft Schatten und Aufenthaltsqualität. Das Wasserbecken wird freier gestaltet, behält jedoch seine Funktion und historische Bedeutung. Caféterrassen und flexible Sitzgruppen beleben den Platz zusätzlich.

Dr.-Heinz-Will-Platz
Als Vorfeld der Schwanenburg wird der Platz strukturell neu gefasst. Bestehende Bäume bleiben erhalten und werden durch eine Sitzpyramide ergänzt. Ein gestuftes Pflaster nimmt die Topografie auf und schafft barrierefreie Zugänge. Auch der Vorplatz des historischen Stallgebäudes wird aufgewertet.

Hagsche Straße
Die Hagsche Straße wird durch Blau-Grün-Infrastruktur neu organisiert. Bioswales, Baumkaskaden und Grünstreifen reduzieren Versiegelung und schaffen Schatten. Regenwasser wird dezentral gespeichert, wodurch Überflutungsrisiken deutlich sinken. Fahrrad- und Stellplätze bleiben integriert, stehen jedoch nicht mehr im Mittelpunkt.

Wbw Fussgangerzone Kleve Detailplan200

Kleve im Wandel – eine identitätsstarke, klimaangepasste Innenstadt
Die „Lebensader Innenstadt“ verknüpft Kleves Geschichte und kulturelles Erbe mit den Anforderungen einer klimaresilienten Zukunft. Das Wasser wird als gestalterisches und regulierendes Element sichtbar, Speicher, Kühlung und Erlebnis zugleich. Moderne Materialität, ökologische Innovationen und historische Bezüge schaffen eine Fußgängerzone, die zur Landesgartenschau 2029 Strahlkraft entfalten wird – und der Stadt Kleve langfristig eine lebendige, widerstandsfähige und identitätsstarke Innenstadt sichert.

Bildnachweis

ensphere GmbH